Der Kalli Report - Dissertation
 

„Nun sitze ich also hier!“

Gesellschaftskritische Diskussion über ein besseres Leben / Benjamin Voss Februar 2007, Melbourne Australien;

„Ja, natürlich“, ich erinnere mich noch an diesen schicksalsvollen Ausdruck meiner selbst.

„Ja natürlich“ hatte ich meinem heutigem Boss entgegnet, als er mich nach einem harten Tag Arbeit am Autoskooter, dessen Verkabelung an diesem Tag völlig neu von mir dreimal verlegt werden musste, danach fragte, ob ich Interesse daran hätte ein längeres Engagement mit seiner Aufbau und Betreiber Firma von Jahrmarktsattraktionen einzugehen. „Yes, of course“, mein Gott, diese Worte, ich kann sie nicht mehr ertragen im Nachhinein. Es fing alles ganz harmlos an. Ich und Chris hatten eine Annonce in der lokalen Tageszeitung wahrgenommen, welche nach Mitarbeitern auf einer Kirmes suchte. Spontan, wie wir waren, riefen wir den dortigen Auftraggeber an und waren uns recht schnell über unseren Arbeitsauftrag im Klaren. Auf- und Abbau eines Autoskooters sowie Betrieb des selbigen. Nach drei Tagen- mehr oder weniger relaxter Arbeit- bekam Chris einen Anruf. Er musste nach Brisbane. Genauere Einzelheiten verriet er mir auch nicht, aber er musste dringend nach Brisbane. Ich schlug ihm also vor, dass ich noch ein paar Tage weiter auf der Kirmes arbeite und wir uns dann in Surfers Paradies wieder treffen könnten. Er nickte billigend auf sein Handy, als wir uns unterhielten. Mit diesem Plan sollte es nun in die nächsten zwei Monate gehen. Ich willigte dem Arbeitsvertrag ein mit den bereits bekannten Worten. Was nun aber folgte, war der reinste Alptraum. Nachdem Chris uns verließ, veränderte sich alles. Die Stimmung von meinem Arbeitsgeber insbesondere. Ich bekam einen Wohnwagen zur Verfügung gestellt, den ich mit 2 anderen Mitarbeitern teilen musste. Schäbige 9 Quadratmeter, die wir mit Kackerlacken, Bed-Bugs (googelt doch mal!) und einer Schar von Spinnen teilen mussten. Meine Arachnophobie seit Kindertagen muss hier nicht erwähnt werden, aber den klaustrophobischen Part meiner Neurosen möchte ich hier nicht unerwähnt belassen. Nun saß ich da mit einem Metzger (34) und einem –auf Bewährung verurteiltem- Knacki (42). Das Waschbecken war so schäbig, dass es durch die verrosteten Leitungen nur ca. ein Achtel des H2O die Leitung bis hin zum Hahn hinauf schaffte. Um Wasser zu bekommen, benutzte ich eine Auffangschale, die ich unter die Spüle hielt. Somit hatte ich immer 2 ½ Liter Wasser am Tag zum Waschen, duschen und trinken. Der Wasserverbrauch wurde uns übrigens vom Gehalt abgezogen.
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Alles in Allem bekam ich nun also rund 123 € die Woche, schwarz versteht sich. Nach 2 Wochen im Wohnwagen (Zustand siehe Fotos) begannen

meine gesundheitlichen Probleme.


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Einer erheblichen Störung des Atemzentrums folgenden Lungenentzündung konnte ich nur schwer Widerstand bieten. Trotzdem musste ich Dienst schieben.

 Der andauernde endlose Regen bereitete sein hübsches Spiel der trostlosen Kälte mit Hieben von erdrückendem Frost um in die finale Endphase der Insomnie zu leiten.

Ich konnte nicht mehr, ich war am Ende. Niedergeschmettert suchte ich den Trost der Betäubungsmittel, vor allem des Bieres (Foto).


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Nach weiteren 3 Tagen meldete ich mich bei meinem Chef und teilte ihm mit, dass ich aussteigen will. Doch dann hat er mir entgegnet, dass mein

ganzer Lohn in ewiger Dämmerung verschwinden würde, wenn ich meinen Arbeitsvertrag nicht komplettieren sollte. Tja, was soll ich nur sagen.

 Jetzt sitze ich da wie ein armer Tor und bin so klug als wie zuvor. Danke Goethe, Danke Welt, Ihr seid einfach spitze! Euer Kalli


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